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Kaiserwetter Der 5. Kobold-Preis neuer Zeitrechnung ist Geschichte, und die Wettfahrten werden zu den schönsten gerechnet werden müssen, die die Freunde klassischer H-Jollen bisher erleben durften. Es herrschte "Kaiserwetter" an diesem zweiten Juniwochenende: Sonne, warmes Wetter und Wind, der zumindest am Sonntag mit seinen 12 - 15 kn aus östlichen Richtungen auch sportlich einiges von den Teilnehmern abverlangte. Die H-Jollen-Alsterflotte war wieder mit ihrem Staraufgebot vertreten. Mitfavorit Klaus Leithner vom HSC auf seiner gaffelgetakelten H 185, Lausi von der Leither, einem Lehmann-Riss von 1940, hatte trotz Familienfeier noch kurzfristig nachgemeldet. Aus Berlin griffen die Gebrüder Kühl auf ihrem gaffelgetakelten Nachkriegs-Drewitz-Riss H 27, Windsbraut, nach längerer Pause wieder ins Geschehen ein. Marco Pawlik vom HSC stellte die inzwischen wieder auf Gaffeltakelung zurückgeriggte und vom Seebär zur Libelle (Taufname von 1931) mutierte H 303 vor. Und von weither angereist griffen Dr. Hans Lusser aus Wiesbaden auf der H 24 - u. U. ältestes Schiff im Feld und vielleicht sogar einzige "überlebende" der Regatta um den Kobold-Preis von 1929 -, Kersten Weichbrodt auf der 1969 gebauten Prinzzessin, H 567, und Gernot Kretschmar aus Wegberg auf H 558, Seeschwalbe, beides Frickebauten nach dem in den endsechziger Jahren aktuellen Grunewald-Riss, ins Geschehen ein. Und sichtlich stolz war erstmalig Tommy Loewe mit seiner frisch restaurierten Herta 2 (ex Mistral) dabei. Auch er hat diese 1936 bei Bergholz nach einem Gärsch-Riss entstandene H-Jolle wieder mit einem Gaffelrigg versehen. Und so war klar, dass erstmals eine Taufe dem Auftakt dieser Regatta voranging, ehe es nach einer kurzen Starverschiebung ins erste Rennen ging. Der alte Fuchs und Sieger von 2003, Klaus Leithner, hatte den richtigen Riecher, startete ganz in Luv unter dem NRV-Ufer, legte nach dem Startsignal auf Steuerbordbug um und "bürstete" das Feld geschickt ab, das den Braten zu spät gerochen und zu lange versuchte hatte, auf Backbord Höhe zu gewinnen und sich nun gegenseitig am Wenden hinderte. Leider hat dieser Start auch Klaus nichts genutzt. Ein (angeblicher?) Frühstart wurde von ihm nicht bereinigt und ein OCS war so nicht zu vermeiden. Wohl keiner hat derzeit seinen Kahn so gut im Trimm, wie der diesjährige Sieger über alles, der sich schon 2002 zum ersten Mal in die Siegerlisten eintragen konnte: Joachim Ruppert aus Hamburg. Er hatte sich auf seinem ebenfalls gaffelgetakelten Vorkriegs-"Delphin", H 460, in Ermangelung seines angestammten Schotten keinen geringeren als den letztjährigen H-Jollen-Meisterschotten Stefan Kriebel aus Kiel als Ersatz an Bord geholt und legte - bisher einmalig - eine tadellose Serie von vier Siegen hin und gewann nicht nur den begehrten Kobold-Preis, sondern auch noch die "Heilige Gaffel", jene ob seiner Grösse und Schwere kaum zu tragende Holz"plastik" für das erfolgreichste Gaffelschiff. Einen Preis zum ersten Mal zu gewinnen bedeutet immer zusätzliche Ehre! So dachte es Joachim wahrscheinlich auch, und es verwunderte niemanden, dass er sein Schiff, wenn auch nicht unbedingt freiwillig und während eines offiziellen Rennes, auf die Seite warf und unter dem Beifall der erfreuten Zuschauer im nahegelegenen NRV wieder leer schöpfte ... und dafür die zwar noch nicht ganz fertig gestellte aber neu gestiftete "Kobold-Reuse" (siehe Bericht von 2005) zumindest schon mal proforma und zusätzlich untermalt mit einem launigen Gedicht des Ob's... in Empfang nahm - aus seiner Sicht wohl eher in Empfang nehmen musste. Wer den Schaden hat ...
Folgende Zeilen bekam die Crew zu hören:
Im letzten Jahr wurde dieses Missgeschick ja noch mit dem "Trostbold" bedacht, jenem Schluck aus der Flasche, der über erlittenes übel hinweghelfen sollte. Den hatte aber Tommy Loewe nach dem verheissungsvollen Auftakt mit Rang 7 im ersten Rennen viel nötiger. Nach einem Mastbruch im vierten Rennen - der Prügel hielt dem zunehmenden Druck durch den auffrischenden Wind am Sonntag nicht mehr stand - lag die Jolle manövrierunfähig im Feld und holte sich noch einen kaputten Steven bei einem zum falschen Augenblick an falscher Stelle segelnden Mitkonkurrenten. Inzwischen ist Herta aber Gott sei Dank wieder einsatzfähig. Einen ganz starken Eindruck hatten in diesem Jahr Heiko und Kartin Quandt auf der 1961 gebauten Fricke-/Grunewaldkonstruktion H 471, Ilha (ex Intermezzo), die nach dem ersten Tag dank der neuen grossen Genua noch auf dem zweiten Platz lagen und als gemischte Crew und als Gesamtvierter am Sonntag mal wieder "Herrn und Frau Kobold" überreicht bekamen. Trotz der Platzeinbusse blieben sie aber noch zweitbeste Vollholzjolle mit Holzrigg. Sehenswert ihr "Kopf-an-Kopf-Rennen" mit der H 27, das - auch ein Novum - tatsächlich remis ausging, sodass dieser Preis erstmalig an zwei Crews vergeben werden konnte. Immer besser in Fahrt kam an diesem Wochenende die "CheBello-"Crew der 1951 bei Mitterer gebauten H 199 mit dem Eigner Werner Lepper an den Schoten und Michael Krieg an der Pinne. Erstmalig hatten sie den recht weichen und nicht ganz einfach zu trimmenden Mast ohne Vorstagspiere im Griff und steigerten sich von Rennen zu Rennen. Höhepunkt der beiden war "Der listigste Schlag" im vierten Lauf, als sie nach einer genialen Startkreuz - aus zweiter Reihe mit freiem Wind auf Steuerbordbug am Leefass gestartet und dann auf Höhe Rabenstrasse umgelegt und dem Feld Richtung Tonne 1 vorfahrtsberechtigt enteilt - lange Zeit das Feld anführten und mit einem berechneten zweiten Platz in dieser Wettfahrt noch die 1964 gebaute Ariane, H 525, mit Eigner Helge Lallemand am Rohr und den Siegern von 2004 im Langnerbau, Sommerliebe H 183 von 1953 der Gebrüder Jens und Christian Ruppert, knapp auf die Plätze verweisen konnte. Die beiden Oldies hatten mächtig Spass an diesem Wochenende! Heiss ging es auch bei den beiden Mitfavoriten um Sieg und Titel, den mit YS 102 segelnden und Alu-beriggten H 567, Prinzzessin, einem Grunewald-Riss bei Fricke gebaut und H 566, Kennt-er-nix (Grunewald-Riss von Kother), zu. Letztendlich setzte sich die schon viele Jahre zusammen segelnde bestens harmonierende Crew Georg Griesbach und Martin Merlitz gegen Kersten Weichbrodt und Oliver Hadij durch. Auf dem gläsernen Sektkübel, "Pimm's Kielwasser", dürfen sich 2006 also nun die Vorjahres-Gesamtsieger eingravieren lassen.
Und sonst? Auch Jürgen und Gabriele Grandt vom HSC waren erstmalig beim Kobold dabei, haben aber noch nicht den optimalen Trimm ihrer 1967 bei Fricke gebauten H 571, Intermezzo - auch sie gehörte wie die H 471 einst einem der bekanntesten ehemaligen H-Jollen-Segler, Klaus Jung aus Berlin -, gefunden und konnten sich so noch nicht vorn einreihen. Das reichte aber noch nicht für den "Kobold-Lehrling", der diesmal an Vater und Sohn Konow auf der H 542, Oli, ging. Der Kobold-Preis 2006 ist Geschichte. Alle Teilnehmer werden sicher wieder interessiert in dem bisher zu allen Regatten ausgegebenen umfangreichen Begleitheft die Geschichte dieser für die klassischen H-Jollen schönsten Regatta nachlesen und nahmen in diesem Jahr als Erinnerungsgabe eine Laterne mit nach Hause, die sie vielleicht ein bisschen durch die bald anstehende dunklere Jahreszeit führen wird. Und sicher freuen sie sich schon auf die (grüne?) Plakette als Teilnehmerpreis und die Foto-CD des wieder mal unermüdlich fotografierenden Hinrich Franck, der bestimmt wieder alles Wesentliche im Bild festgehalten hat und dem dafür in diesem Jahr mit dem "Original" gedankt wurde.
Bleibt zum Schluss nur noch der Wunsch, dass auch 2007 die Melde- und Starterzahl wieder ein bisschen in Richtung 25 zulegen wird, damit vielleicht schon beim nächsten Kobold-Preis zwei Dutzend Teilnehmer an der Startlinie aufkreuzen werden.
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