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Der Kobold trieb seinen Schabernack Mit dem Kerl ist wirklich nicht "gut Kirschen essen", hatte er doch auch im vierten Kobold-Jahr neuer Zeitrechnung einige Gemeinheiten auf Lager, die so manchem seiner Gäste an diesem Wochenende das Leben auf der Alster reichlich schwer machten. Natürlich waren die, die schon in den vergangenen Jahren Gäste im ausrichtenden Verein, dem NRV, waren, vom Wetter, das normalerweise Mitte Juni auch im Norden vorherrscht, einigermassen verwöhnt. In diesem Jahr nun eher nicht, denn es war windig. So windig, dass gleich fünf Crews ihre segelnden Untersätze umwarfen (Rekord) und die Organisationen, die auf dem Wasser für die Sicherheit der Teilnehmer verantwortlich waren, reichlich Arbeit bekamen. Der Applaus, den die Helfer des Technischen Hilfswerks, der Wasserschutzpolizei, der DLRG und Bootswart Peter Kehl vom NRV dann später bei der Siegerehrung bekamen, war deshalb auch umso herzlicher, als ihnen als Dank für ihren unermüdlichen Einsatz am Ende der Veranstaltung der Original-Kobold-Preis (von 1929) überreicht wurde. Wer die Alster bei diesen Bedingungen vor allem am Samstag erlebte - nordwestliche Winde 4-5, in Böen schon mal darüber - wird sich wieder mal bestätigt fühlen, auf diesem Gewässer eigentlich keine Regatten segeln zu wollen. So fuhr der extra von der Müritz angereiste Bootsbauer Jens Christen auf seiner frisch restaurierten "Marie Luise" kurzerhand wieder ab, nachdem er spätestens auf dem Weg von der Tonne 4 zur 7 im ersten Rennen nicht mehr wusste, aus welcher Richtung die nächste Bö denn nun kommen würde. Dr. Hans Lusser, der nach langer Anfahrt im letzten Jahr pilzgeschädigt (der Mast) erst gar nicht antreten konnte, hatte sicher im Vorfeld dieser Regatta ausgiebig die Wettervorhersagen studiert und war gar nicht erst angereist. Und auch "Oli", H 542, mit Vater und Sohn Konow blieben der Veranstaltung trotz Meldung wohl aus Sicherheitsgründen fern. Jede Kenterung mit einer klassischen H-Jolle verläuft anders, auch wenn das Ergebnis immer gleich ist: Die Wettfahrt ist abrupt zu Ende. Die im wahrsten Sinne schmutzigsten Geschichten hat in diesem Jahr sicher die "Che bello"-Crew, H 199, zu erzählen. Die erste Wettfahrt hatten die beiden Oldies noch recht ansprechend hinter sich gebracht. Die neue Genua - man wäre mit einem kleineren Vorsegel wohl besser und weniger anstrengend bedient gewesen - stand zwar noch nicht einwandfrei, aber man kam heil über den Parcours und wollte den erzielten 11. Platz als Streicher einsetzen - nicht ahnend, dass es die einzige Wettfahrt an diesem Wochenende bleiben sollte. Den Vorwindgang von der 4 zur 1 hatte man gerade erfolgreich beendet, als es die beiden ohne Vorwarnung förmlich umhaute. Wie gesagt, jede Kenterung verläuft anders. Hier kam die Bö unerwartet ein paar Grade seitlicher und der Dampfer lag auf der Backe. Nun sollte also das der Streicher werden. Die Jolle war schnell wieder aufgerichtet, ein Rettungsboot nahte und der HSC nicht weit. Eine weitere Kenterung, nachdem man unter Wasser das Grossfall lösen wollte und die Genua wegen der alles beklemmenden Auftriebskörper unter Deck nicht einzurollen war, verhinderte vorerst die Bergung. Zudem war das Rettungsboot nicht in der Lage, eine Schleppverbindung in Luv anzubringen, um ein befürchtetes Anladen zu verhindern, denn inzwischen war man so weit unters Ufer getrieben, dass der Mast nach der dritten Kenterung Grundberührung hatte und feststeckte. Der Schotte hatte zwischenzeitlich das "sinkende" Schiff verlassen, sass am Ufer und überlegte, kam dann aber zurück, um dem festsitzenden Kahn vielleicht doch noch einmal auf die Beine zu helfen. Zur aller überraschung gelang dies auch. Ein Blick nach oben in den Mast offenbarte dann aber die ganze Bescherung: Eine Aalreuse - wann wurde hier das letzte Mal offiziell Aalen hinterhergestellt? - hatte sich verheddert und entlud nun nach und nach ihren schlammigen Inhalt - leider ohne Aal - über die deprimierte Crew. Zusammenfassend kann man sagen: Der Grund der Alster ist schwarz, klebrig und stinkt. Der Rest ist schnell erzählt. Irgendwann landete man im HSC an, helfende Hände derjenigen, die diese Wettfahrt auch schon aufgegeben und im sicheren Hafen Schutz gefunden hatten, schrubbten sofort die Segel, der Steuermann lenzte per Eimer die Jolle leer und stand dann auch wenig später - wie vor ihm der Schotte - unter der heissen Dusche, um sich vom Dreck zu befreien. Und das dauerte. Dass im Hafen dann noch der Mast gelegt werden musste, um ihn von der Reuse zu befreien, zugeklebte Rollen ausgebaut wurden, um sie wieder gangbar zu machen, der Mast innen und in der Nut stundenlang mit klarem Wasser gespült wurde, um nicht gleich wieder die Segel einzuschwärzen, sei nur am Rande bemerkt. Man war voller Tatendrang - nur der bei der Grundberührung abgebrochene Pinnenbeschlag verhinderte weitere Starts am Sonntag. So blieb dem Ob... genügend Zeit, sich tags darauf wieder ans Ufer zu stellen, um herauszufinden, welche Crew sich listig oder durch ein heisses Kopf-an-Kopf-Rennen ausgezeichnet hat, denn zumindest der "Trostbold" war trotz der vielen Anwärter in diesem Jahr eigentlich schon vergeben. Die Aalreuse, im kommenden Jahr als "Kenterbold" zu einer weiteren Trophäe verarbeitet, war nicht zu toppen. "Kennt er nix", H 566, war auch nicht zu toppen. Trotz gehörigem Handicaps (YS 102) feierten Georg und Martin drei Siege und konnten ihre Kenterung - der Dampfer heisst ab jetzt "Kennt er(t) auch" - an der 3 nahe der Kennedy-Brücke im letzten Lauf, zu dem nur noch sieben H-Jollen angetreten waren, streichen. Die Bö soll unter der Brücke durchgepfiffen sein. Bestens drauf war auch wieder die "Sommerliebe"-Crew. Mit geflicktem Mast, der besser zu stehen schein, denn je, und einem ersten Platz in der letzten Wettfahrt, ersegelten sich die Vorjahressieger Jens und Christian Platz 2 und somit "Pimm's Kielwasser". Mit neuem Mast und neuem Schotten war Kersten auf "Prinzzessin", H 567, aus München angereist, konnte aber den "Delphin", H 460, nicht daran hindern, dass dieser unter der Führung von Joachim das heisseste "Kopf-an-Kopf-Rennen" im letzten Lauf gegen den in diesem Jahr bestens aufgelegten Helge auf "Ariane", H 525, gewann. Noch vor "Ariane" kam "Ilha"/ex "Intermezzo III", H 471, ins Ziel. Heiko und Kathrin sicherten sich damit erstmals "Herr und Frau Kobold". (Wusstet Ihr, dass mit der H 571, Intermezzo IV", die H-Jollen-Flotte auf der Alster noch ein bisschen vergrössert wird?) Und der "Listigste Schlag"? Der muss im vorletzten Rennen H 595, "Water Talker"/ex "Lady", geglückt sein, denn Frens tauchte mit seiner Frau nach mässigem Start und einer Mittelfeldplatzierung an der 1 bei der 3 plötzlich an der Spitze auf, konnte diesen Platz zwar nicht ganz verteidigen, schlug sich aber im Ziel mit Platz 3 beachtlich. (Rennverlauf siehe unten.)Trotz Abwesenheit bei der Siegerehrung ist ihnen das Curry-Taktik-Buch im Glaskasten gern für ein Jahr überlassen worden. Wären die beiden übrigens auch im letzten Rennen gestartet und hätten so vielleicht Platz 8 aus dem ersten Lauf als Streicher einsetzen können, hätten auch sie gute Chancen auf "Herrn und Frau Kobold" gehabt. Blieb die Vergabe des "Lehrlings". Dass hier der Vorjahresgewinner, im letzten Jahr noch mit der gaffelgetakelten H 240 unterwegs, in diesem Jahr umgestiegen und aufgerüstet mit der H 21 am Start, seinen "Titel" verteidigen würde, war wohl so nicht geplant. Aber Florian hat sich alle Mühe gegeben, diesen kleinen Pokal auf grossem Sockel wieder zu gewinnen, was ihm dann auch gelungen ist. Nach der Siegerehrung und Preisübergabe im grossen Saal des Clubs im 1. Stock fanden sich fast alle Teilnehmer zum Schlussfoto - im letzten Jahr leider vergessen - dann wieder im Freien ein, nachdem zwischenzeitlich erneut eine Schauerfront durchgezogen war. Es fehlte eigentlich nur noch Graupel, Hagel oder Schnee zum Glück. Fast alle, denn eine Crew war schon abgereist, weil sie mit ihrer Yardstick-Einstufung nicht einverstanden war und sich - nicht unberechtigt - zu weit zurückgerechnet fühlte. Timon und Carola hätten auf H 365, "Ariel", sicher weiter vorn mit eingegriffen. Leider liegen keine Zeitnahmen der einzelnen Läufe vor. Gern hätte ich mal nachgerechnet, wo sie mit YS 104 in der Endabrechnung gelandet wären. Der Kobold-Preis 2005 ist Geschichte. Von Flaute bis Wind, Sonnenschein und Kälte war in den vergangenen Jahren wettermässig alles vertreten. Im nächsten Jahr wünschen sich die Veranstalter nun endlich, dass die Teilnehmerzahl über 20 liegt, dazu Sonnenschein, 25 Grad und 3 Windstärken aus Ost.
AbLauf 3
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