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Kobold-Preis 2004 - Spannend war es !

In diesem Jahr fand nun schon die dritte Wettfahrtserie um den Kobold-Preis neuer Zeitrechnung statt ... und von den Windbedingungen her war sie die spannendste bisher.
Inzwischen ist die Regatta zum festen und anerkannten Bestandteil im Regattakalender des NRV in Hamburg auf der Alster geworden und einer der Höhepunkte der Segelsaison für die klassischen in Vollholz gebauten H-Jollen.

Alle guten Dinge sind drei ... fiel mir bei der Siegerehrung ein, als ich Jens und Christian Ruppert aus Hamburg den vor zwei Jahren von ihnen selbst neu gestifteten "Kobold-Preis" überreichen durfte. Sie segelten ihre 1953 von Paul Langner gebaute und gaffelgetakelte H 183, "Sommerliebe", in diesem Jahr endlich ganz nach vorn. Leicht gemacht wurde es den beiden nicht, umso höher ist der Erfolg zu bewerten. Aber vor allem ihre Starts waren immer brillant und sicherten ihnen häufig schon vorzeitig gute Ausgangspositionen für einen vorderen Platz, den sie eisern und nervenstark bis ins Ziel verteidigen konnten. Auch die "Heilige Gaffel" ziert nun die gute Stube der Gewinner.

Daran, dass diese schöne aus Holz gebaute Skulptur auch mal bei ihm stehen soll, muss Florian von Bieberstein noch arbeiten. Immerhin war seine 1955 gebaute H 240 mit den original Makosegeln noch am ursprünglichsten ausgerüstet, somit aber letztendlich chancenlos gegen die teilweise stark aufgerüstete Konkurrenz. Der "Kobold-Lehrling" wird ihm aber vielleicht Ansporn sein, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. Übrigens: In allen Jahren des Kobold-Preises lagen die Gaffelschiffe immer ganz vorn: 2002 H 460, 2003 H 185 und nun die H 183. Mit Pimm von Hütschlers F 58 auch 1929 ­ da gab es ja bei den Jollen noch keine Hochtakelungen. Hütschlers Verbands-F-Jolle wurde interessanterweise wie die H 185 von Klaus Leithner auch bei Lehmann in Erkner gebaut.

Teilweise von sehr weit her waren in diesem Jahr die Teilnehmer angereist, um eine der begehrten Trophäen zu gewinnen. Am weitesten hatten es sicher Manfred Balz und sein Schotte Rene' Wyss aus der Schweiz. Und die Kontrahenten auf den Gesamtsieg konnte es nach den Erfolgen der beiden in Plön ­ das Auto war für die vielen errungenen Preise zu klein ­ Angst und Bange werden, ob der schnellen H 545, "Zwirbel" (stark modifizierter "Königin"-Riss, Bj. 1965, Kother), auch wenn dieser 1964 entstandene Grunewald-Riss inzwischen schon mit YS 102 durch die Gegend fährt. Leider wollte Manfred es in Hamburg noch ein bisschen listiger (als erlaubt) machen und segelte auf dem Weg zur Sieben an der Vier vorbei ... und wurde erst ­ und immerhin netterweise -, nachdem seine Konkurrenten diese genommen hatten, von ihnen zurückgerufen, so dass er sich wieder hinten einreihen durfte. Eine gute Endplatzierung war damit verloren ... der Pokal "Der listigste Schlag" (wer den Schaden hat ...) ihm aber sicher. Anmerkung: Auch für den war das Auto zu klein.

In "Pimm's Kielwasser" für das schnellste Schiff der jeweils anderen Gruppe (1. Gruppe: Vollholzrumpf/Holzrigg, 2. Gruppe: Vollholzrumpf/Alurigg) segelte in diesem Jahr somit erstmals Timon und Carola Gruber auf der H 365, "Ariel", einem für das Baujahr 1956 verdammt breiten Theo Ernst-Riss, die damit den zweimaligen Kielwasser-Gewinner Kersten Weichbrodt ablösten und sich als Pärchen nun auch auf der dritten Plakette von "Herr und Frau Kobold" eingravieren lassen dürfen.

Nicht ganz so weit zum Start hatte es Klaus Steinbeck und Hans Tischendorf auf H 172 vom HSC, der sich mit Vereinskamerad Carlos Grethe, H 326, immer ein heißes Kopf an Kopf-Rennen lieferte, das er meist vor der in Zeder gebauten "Dongdideldö" für sich entscheiden konnte.

Den neu gestifteten "Trostbold" (siehe Vergabekriterien in den anschließenden Reimversuchen) hätten in diesem Jahr eigentlich gleich drei Segler verdient gehabt:
Da reist Hans Lusser mit seiner frisch restaurierten H 23 aus Wiesbaden an ... und der Mast zerfällt beim Setzen schon am Freitagabend. Ich habe in meinen fast 25 Jahren als Obmann für klassische H-Jollen schon einiges erlebt, allerdings keine Pilzkulturen im unteren, hohlen Teil eines Mastes. Der teilweise recht böige Wind ließ für den enttäuschten Eigner trotz "Notoperation" leider keinen Start zu. Und da er nach Beobachtung der ersten Rennen schon wieder nach Wiesbaden abgefahren war und die Siegerehrung am Sonntag nicht miterleben konnte, durfte ein anderer "Unglücklicher" zum Trost seines Missgeschicks den Inhalt der Flasche leeren ... Kersten W. auf H 567. In den vergangenen Jahren noch "Herr und Frau Kobold"-Preisträger ließ er extra aus südlichen Gefilden einen männlichen Schotten, Florian Busse, einfliegen und schwamm mit diesem dann im dritten Rennen in Alsters Fluten und verdarb sich somit einen vorderen Platz.
Auch Joachim R. aus HH taufte sich, seinen Schotten und das neu hergerichtete Boot, die H 460, in der Alster. Am zweiten Fass ­ es ging von vorm Wind hart an den Wind auf die Kreuz ­ erfasste ihn eine Böe, und da die Großschot unerreichbar belegt war, kam unweigerlich das, was in solchen Situationen dann kommen musste ... . Wer weiß, wo er mit seinem bärenstarken Schotten Oli (ausgeliehen von Klaus L.'s Tochter Melanie) in der Endabrechnung platziert gewesen wäre, wenn er nicht bei den vier Rennen diese Kenterung als Streicher hätte einsetzen müssen. Denn nach einem siebten Platz im ersten Lauf lag er am besagten Fass schon deutlich in der Spitzengruppe ... und wer seine beiden letzten Rennen verfolgt hat (jeweils Platz 1 !), weiß inzwischen nur zu gut, dass ab jetzt mit dem Sieger von 2002 (siehe Portrait im Anschluss an diesen Bericht) wieder fest zu rechnen ist.

Und so möchte ich gleich auf den ganz zum Schluss geehrten Preisträger zu sprechen kommen, den Sieger des vergangenen Jahres, Klaus Leithner aus Hamburg. Er war am Fass 2 nahe an Joachim dran, als dieser sich verabschiedete, drehte in der auch für ihn aussichtsreichen Position nur wenig später bei, um der schwimmenden Crew zu helfen und vergab somit eine gute Platzierung. Der knappe Kommentar eines HSC-Vereinskameraden, als er hörte, was passiert war: "Ja, so ist Klaus Leithner". Entsprechend erhielt einer der erfolgreichsten Vertreter unserer "Alt-H-Jollen" für seine vorbildliche "Seemannschaft" in diesem Jahr "Das Original" (der Kobold-Preis von 1929, ein silberner Sektkübel mit sehr originellen Wildschweinhauern als Henkel) - und alle dankten es ihm mit großem Beifall! (Siehe auch das Portrait des Siegers aus dem vergangenen Jahr.)

"Das Original" wird übrigens in Übereinkunft mit den Organisatoren und dem Veranstalter, den Gebrüdern Ruppert aus Hamburg und dem NRV, und mir als Obmann der klassischen H-Jollen jährlich als Auszeichnung für eine besondere Tat, die im Zusammenhang mit dieser Regatta steht, vergeben. Im ersten Jahr erhielt ihn der NRV selbst als Dank, dass er die Regatta (neu) ausgerichtet hat, im zweiten Jahr wurde er mir als Anerkennung dafür verliehen, dass ich den silbernen Sektkübel in der Schweiz ausfindig gemacht habe und ihn für die kommenden Jahre sozusagen als "Schirmherrschaft" für diese schöne Veranstaltung gewinnen konnte.

2005 wollen alle wiederkommen!


Michael Krieg