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Wenn man, wie ich, seine Zeit im Süden der Republik verbringt, ist hinsichtlich der Wetterlage eine Reise nach Hamburg immer eine Reise ins Ungewisse. Tage zuvor haben wir im Biergarten gesessen und das schaurige Wettertreiben in Norddeutschland diskutiert und die richtige Ausrüstung geplant, um den hohen Anforderungen der tückischen Alster gerecht zu werden.
Alster-Füchsen wie den Ruppert`s, Klaus Leithner und Georg Griesbach, die ihre Alster wie ihre Westentasche kennen, konnten wir nicht das Wasser reichen. Doch war es für mich ein besonderer Anreiz, in einem Feld mit fünf Alu-geriggten Schiffen zu segeln. So stieg ich am Samstagmorgen in den Flieger, um nach Hamburg zu kommen. Da ich mit Steffi immerhin schon zirka dreimal auf der "Prinzzessin" gesegelt bin, haben wir uns aus Mangel an Übung gegen das Setzen des Spi´s entschieden und wollten mit listigen Schlägen die Konkurrenz ausschalten.
Erster Trick sollte ein super Start sein: Wildes, professionell aussehendes An-der-Linie-hoch-und-runter-fahren machte Mut und ein bisschen Eindruck bei meiner Freundin - was will man mehr. Einen der Tut-Signale nahm ich dann zum Anlass, die Segel dichtzuholen, um Fahrt aufzunehmen.
Wir waren schnell, erschreckend schnell, so schnell, dass uns Jens (H 183) von hinten zurufen musste, auch Tonne 7 noch zu runden. Als uns das gelang, waren wir auch schon weg. "Schumacher-Start" würde ich das gemeinhin nennen. Das Feld blieb hinter uns, aus Mut wurde Stolz und der Eindruck, den ich bei Steffi erzielen wollte, war erreicht.
Es war wie geschaffen für uns. Die 1 lag irgendwo da draußen und wir waren sehr weit vorne. Der Wind drehte zu unseren Gunsten und die 1 verwandelte sich zur 2 ... Wieso 2? Wer hat denn die 2 hierher gelegt? Kann ich mal den Stadtplan haben? ... Ich war überzeugt, dass es nur eine Verwechslung sein konnte und rundete vorschriftsmäßig das Fass ... natürlich in der Hoffnung, die anderen tun dasselbe. Aber nein, sie haben sich ein Fass ausgesucht, das viel weiter links lag und wohl tatsächlich auf den Namen 1 hört ... na Klasse! Aus Eindruck wurde Häme und aus Stolz wurde Pein. "Wollen wir nicht lieber irgendwo einen Kaffee trinken?" "Nee, jetzt erst recht", sagte Steffi und als das erste Schiff die 1 rundete, nahmen wir von der 2 Fahrt auf, um das tückische Fass zu besuchen.
Als wir dann schweigend als Vorletzter die 1 erreicht hatten, packte mich der Ergeiz und ich versuchte mit allen "Leichtwindtricks", die ich auf den Süddeutschen Seen erlernt hatte, noch einmal die Konkurrenz auszuschalten. Es gelang uns nicht ganz. Aber wir wurden noch Dritte nach Einlauf in dieser Wettfahrt. Für die beiden weiteren Wettfahrten hatten wir den Kurs verinnerlicht und fanden auf Anhieb das richtige Fass zum Runden.
Die dritte Wettfahrt reichte uns noch, um mit Georg (H 566) die Ränge zu tauschen und schnellste H-Jolle mit Alurigg und den Platz 4 in der Gesamtwertung zu erreichen. Hätte es noch einen Preis für den Schnellsten am ersten Fass gegeben ... wir hätten die Preise kaum tragen können. So wurde aus Pein wieder Stolz und von Häme keine Spur mehr.
Es war eine außergewöhnliche Wettfahrt. Nicht nur, dass man bei den ganzen Tonnen nicht immer weiß, wo man ist, sondern weil bei den Windverhältnissen die Schiffe sehr dich zusammen blieben und man an den Zweikämpfen wachsen konnte. Auch endlich mal ein paar "Vollholz /Alu" im Feld zu haben, die man viel zu selten trifft, stimmte mich fröhlich.
Auf dem Steg gab es beste Plätze fürs Publikum ( die im Bericht der YACHT 1929 so liebevoll "Schlachtenbummler" genannt wurden) und die Anlage bot alles, wonach der Jollensegler verlangte.
Auch wenn es mühsam ist, ständig mit der Jolle auf Achse zu sein, für diese Veranstaltung lohnt es sich allemal. Und außerdem ist die H-Jolle eine "15qm-Wanderjolle", da muss das auch schon mal drin sein.
Ahoi, Kersten H 567
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