Kobold-Preis Service Service Service
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Für die Klasse der H-Jollen - und insbesondere für die Besitzer der klassischen, in Vollholz gebauten H-Jollen - war es ein denkwürdiges Ereignis! 73 Jahre nach einer vom Norddeutschen Regatta Verein (NRV) unter dem Namen "Kobold-Preis" ausgetragenen Regatta für die "15-m2-Binnenfahrtjolle" (F-Jolle des damaligen D.S.Vb.) kam es an gleicher Stelle zu einer Neuauflage dieser historischen Regatta. 15 H-Jollen der Baujahre 1930 bis 1969 hatten sich am Wochenende des 8./9. Juni auf der Alster beim NRV eingefunden. Und wenn auch in diesem Jahr die meisten Teilnehmer noch von der Alster selbst kamen, waren auch Gäste von der Havel aus Potsdam, aus Mecklenburg-Vorpommern und sogar aus München angereist, um den von den Hamburgern Jens, Christian und Joachim Ruppert gestifteten neuen Kobold-Preis auszusegeln.

(historischer Text - aus "Die Yacht", Nr. 14/1929, S. 19)
"Als am Richtersteg die grün-weiße Flagge gesetzt wurde, brauten noch undurchsichtige Nebelschwaden auf der Wasserfläche. Von Brise war vorläufig nicht zu reden. Ein sehr feiner Hauch setzte kurz vor Startbeginn auf der Uhlenhorster Seite von Süden ein und zog fast parallel dem Ufer der Linie sehr langsam entgegen. Später klärte es auf, wenn auch die oberen Luftschichten dunstig blieben. Heißer Sonnenschein sorgte für entsprechende Temperatur während der nun beginnenden langwierigen, ausgesprochenen Flautenregatta, in deren Verlauf die dünnen Windstriche aus S, SO, O, SSW teils nacheinander, teils an örtlich verschiedenen Stellen gleichzeitig -- meist nur 5 bis 10 Minuten - durchstanden. ..."

So hieß es in einem ausführlichen Regattabericht, der 1929 in der Segelzeitschrift "Die Yacht" zu lesen war. Heißer Sonnenschein herrschte in diesem Jahr zwar nicht, doch die Temperaturen waren trotzdem sommerlich warm. Im Bezug auf die Windverhältnisse ging es allerdings vor allem am zweiten Tag ähnlich zu wie oben beschrieben, als die 15 Vollholz-H-Jollen auf historischem Kurs und somit direkt vor dem NRV an den Start gingen. Während der meist schwache Wind am ersten Tag zuerst noch recht gleichmäßig durchstand, setzte er am zweiten Regattatag immer wieder aus, sodass der Zieleinlauf ähnlich spannend und langwierig war wie 1929. Und - Duplizität der Ereignisse - wie damals Walter "Pimm" von Hütschler, NRV-Mitglied und späterer zweimaliger Weltmeister in der Starbootklasse, gewann der Hamburger Joachim Ruppert mit Vorschoter Holger Hechtenberg auf H 460, "Delphin", den (neuen) "Kobold-Preis" ebenfalls mit einem dritten, zweiten (berechnet) und ersten Platz.
Alter schützt vor Torheit nicht! Die liebevoll gepflegte Jolle des Gesamtsiegers ist schon über 60 Jahre alt und vor allem immer noch (klassisch) gaffelgetakelt. Überhaupt beherrschten die drei Gaffeljollen, die am Start waren, das übrige Feld und belegten auch die ersten drei Plätze. Sie setzten sich damit vor allem auch gegen die jüngere Vollholz-H-Jollen-Generation durch, die ab 1965 erheblich leichter gebaut und schon mit Alurigg ausgerüstet wurde. Fairer Weise muss erwähnt werden, dass die Jollen vergütet nach Yardstick gegeneinander segelten. Bei anderen Windverhältnissen hätten die moderneren Vollholzjollen ihr Potential vor allem unter Einsatz ihres Trapezes und Spinnakers sicher besser ausspielen können.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die weiteren "Herausforderungspreise" - so nannte man damals die "Wanderpreise", die bis zum endgültigen Gewinn jährlich ausgesegelt werden - die zahlreich gestiftet wurden:

"Die heilige Gaffel", eine über 50 cm hohe Holzplastik, ging ebenfalls an die H 460 von Joachim Ruppert


"Pimm's Kielwasser", ein von der Klassenvereinigung der H-Jollen gestifteter gläserner Sektkübel für das schnellste Schiff mit Alurigg gewann die Crew Kersten Weichbrodt und Stephanie Jasperneite auf H 567, "Prinzzessin" ... und


"Herr und Frau Kobold", den Preis für das schnellste Schiff mit gemischter Crew, errang Klaus Leithner auf H 185, der mit seiner Tochter Melanie segelte.


Die Mannschaft Reinhold Rathje und Sabine Rieck führten auf ihrer 1939 gebauten H 760, "Isolde", das erfolgreichste, taktische Manöver, "Der listigste Schlag", aus, als sie im dritten Rennen einen langen Schlag am Westufer der Alster wagten und sich bei der Tonne 1 am Schwanenwik vom hinteren Drittel auf den fünften Platz vorgearbeitet hatten.


Und der "Kopf an Kopf-Preis" fiel an Marco Pawlik und Jan Christiansen auf der H 303, "Seebär", die auf der Schlusskreuz des dritten Rennens mit der H 212, "Juwel V" von Martin Kürten und Bert von Seggern und der H 601, "Juwel IV" mit Michael Krieg und Gerd Griebel als Sieger des spektakulärsten Zweikampfes hervorgingen.


Der Sieger kann nur Sieger sein, wenn es nicht gleichzeitig auch welche gibt, die ihm das Siegen ermöglichen. Der "Kobold-Lehrling" für das letzte Schiff nach berechneter Zeit fiel in diesem Jahr an die H 525, "Ariane", mit Helge Lallemand und Nicole Muhs.


Für die Veranstaltung von besonderer Bedeutung ist es, dass der Original Kobold-Preis von 1929, ein silberner Sektkübel, von der Familie des einstigen Gewinners, Walter von Hütschler, dem Ausrichter der Regatta und der Klassenvereinigung der H-Jollen für einige Jahre leihweise zur Verfügung gestellt wird. Den Preis hatte damals der spätere Vorsitzende des Norddeutschen Regatta Vereins, Dietrich Fischer, gestiftet. Er ist mit der Familie um die halbe Welt gereist, galt als verschollen und wurde nach intensiver Recherche in der Schweiz wieder aufgefunden.
Nach Beschluss der Klassenvereinigung wird der Preis nun jährlich für eine anerkennenswerte Leistung im Zusammenhang mit dieser Regatta vergeben. 2002 wurde er als Dank für die Vorbereitung, Ausrichtung und Durchführung dieser Wettfahrt dem Norddeutschen Regatta Verein, vertreten durch seinen Geschäftsführer, Herrn Hoffmann, überreicht.